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Rechte Bahnreisende

Für Bahnreisende gelten in Deutschland seit dem 29. Juli 2009 gesetzlich verankerte Fahr­gastrechte Gesetz zur Anpassung eisenbahnrechtlicher Vorschriften an die Verordnung (EG) Nr. 1371/2007 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 23. Oktober 2007 über die Rechte und Pflichten der Fahrgäste im Eisenbahnverkehr).

Dort sind die Voraussetzungen für die Geltendmachung individueller Ansprüche von Rei­senden geregelt. Parallel dazu regelt die Eisenbahn-Verkehrsordnung (EVO) die Fahrgast­rechte für den Nahverkehr.

Das Wichtigste in Kürze:

Entschädigung bei Verspätung

Der Reisende kann eine Entschädigung verlangen, wenn er zwischen dem auf dem Ticket angegebenen Abfahrts- und Zielort bei Ankunft eine Verspätung von mindestens 60 Minuten erleidet. Die Höhe der Entschädigung hängt vom Preis des Tickets ab:

Ist der Beförderungsvertrag für eine Hin- und Rückfahrt abgeschlossen worden, wird die Entschädigung für eine entweder auf der Hin- oder Rückfahrt aufgetretene Verspätung auf der Grundlage der Hälfte des entrichteten Fahrpreises berechnet.

Diese Regelung ist nach der Entscheidung des Europäischen Gerichtshofes vom 26. September 2013 auch bei höherer Gewalt anzuwenden, wenn also z.B. ein Orkan, ein Streik oder ein Unfall die Verspätung verursacht hat.

Bei mehr als einer Stunde Verspätung sind dem Reisenden zudem kostenfrei anzubieten:

Ist vor Abfahrt am Bahnsteig bereits eine Verspätung von mehr als 60 Minuten absehbar, hat der Reisende die Wahl zwischen der Erstattung des vollen Ticketpreises oder der Fortsetzung der Fahrt bei nächster Gelegenheit oder zu einem späteren Zeitpunkt (unter vergleichbaren Beförderungsbedingungen, gegebenenfalls auch mit geänderter Streckenführung). Ob hierbei auch ein höherwertiger Zug genutzt werden kann (z.B. ICE statt IC), hängt von den Beförderungsbedingungen des jeweiligen Verkehrsunternehmens ab.

Ergibt sich die Verspätung während der Fahrt, darf der Reisende die Fahrt auch abbrechen und bei nächster Gelegenheit kostenfrei zum Ausgangsort zurückfahren. Auch dann muss der volle Fahrpreis erstattet werden. Der Reisende kann dann aber nicht zusätzlich eine Entschädigung für die Verspätung beanspruchen.

Bei Blockierung der Fahrstrecke ist die Beförderung vom Zug zum Bahnhof, zu einem alternativen Abfahrtsort oder zum Zielort anzubieten (sofern praktisch durchführbar).

Hinweis:
Das Eisenbahnunternehmen haftet nicht für Folgeschäden einer Zugverspätung (z.B. das verpasste Flugzeug).

Regelungen für Zeitkarteninhaber

Zeitkarten im Fernverkehr werden in der 2. Klasse pauschal mit 5,00 EUR (BahnCard 100: 10,00 EUR), in der 1. Klasse mit 7,50 EUR (BahnCard 100: 15,00 EUR) entschädigt.
Zeitkarten im Nahverkehr werden in der 2. Klasse pauschal mit 1,50 EUR und in der 1. Klasse mit 2,25 EUR entschädigt.

Hinweis:
Nach der Fahrgastrechte-VO dürfen Eisenbahnunternehmen Mindestbeträge festlegen, unterhalb deren keine Entschädigungszahlungen vorgenommen werden, wobei der Mindestbetrag höchsten 4,00 EUR betragen darf (sogenannte Bagatellgrenze).
Hat das Eisenbahnunternehmen von der Festlegung einer Bagatellgrenze von 4,00 EUR Gebrauch gemacht, wird z.B. eine Entschädigungszahlung erst dann gewährt, wenn etwa bei einer Monatskarte für die 2. Klasse mindestens drei Mal im Gültigkeitszeitraum der Monatskarte eine Verspätungsentschädigung anfällt (3 x 1,50 EUR = 4,50 EUR). Diese Verspätungen können gesammelt zur Geltendmachung der Verspätungsentschädigung eingereicht werden.

Regelungen für den Nahverkehr

Im Nahverkehr haben Reisende darüber hinaus bei einer angekündigten Verspätung von mindestens 20 Minuten die Möglichkeit, einen anderen, auch höherwertigen Zug (ohne Reservierungspflicht) zu nutzen. Der Preis für das benötigte Ticket ist zunächst vom Reisenden zu zahlen. Das Verkehrsunternehmen wird diese Kosten dann erstatten.

Hinweis:
Für Sonderzüge und reservierungspflichtige Züge kann ein Aufpreis fällig werden.
Diese Regelung gilt nicht bei erheblich ermäßigten Tickets (z.B. Ländertickets, Schönes-Wochenende-Ticket).
Das Bahnunternehmen kann, wenn der Umstieg auf einen höherwertigen Zug zu einer erheblichen Störung des Betriebsablaufs führen würde, den Umstieg ausschließen.

Ist zwischen 0.00 und 5.00 Uhr eine verspätete Ankunft am Zielort von mindestens 60 Minuten zu erwarten oder fällt der fahrplanmäßig letzte Zug des Tages aus, so dass der Zielort nicht mehr bis 24.00 Uhr erreicht werden kann, kann der Reisende ein alternatives Verkehrsmittel nutzen (Bus, Taxi). Die hierfür entstehenden Aufwendungen sind ihm bis zu einer Höhe von 80,00 EUR zu erstatten.

Fahrgäste mit eingeschränkter Mobilität

Für Fahrgäste, die behindert oder in ihrer Mobilität eingeschränkt sind, enthält die Verordnung (EG) 1371/2007 besondere Regelungen. Bei rechtzeitiger Anmeldung, d.h. mindestens 48 Stunden vor dem Zeitpunkt, zu dem die Hilfeleistung benötigt wird, erhalten Fahrgäste mit Behinderung oder eingeschränkter Mobilität u.a.